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Was kostet meine Kunst?

Welchen Preis rufst du für deine Kunst auf?

Marianne Körner "2h : 17min : 32sec - to turn from white to black" € 167
Marianne Körner "2h : 17min : 32sec - to turn from white to black" € 167

Welchen Preis traust du dich, für deine Kunst aufzurufen?

 

Es fängt schon damit an, dass wir uns zuerst selber fragen, ob wir Künstlerinnen oder Hobbykünstlerinnen sind. Und ab welchem Qualitätsstandard wir das Wort Künstlerinnen überhaupt verwenden dürfen.

 

Wenn du Kunst studiert hast, fragst du dich das mit Sicherheit nicht. Aber für Künstlerinnen wie mich, ohne Studium, aber mit der richtigen Leidenschaft für die Kunst, ist diese Frage ein relevantes Thema.

 

Meine persönliche Einstellung dazu ist inzwischen diese: Alles eine Frage des Mindsets, wenn du bereit bist 50-mal glaubhaft von dir als Künstlerin zu sprechen, bist du auch bereit, eine zu sein.

 

Zurück zur Ausgangsfrage. Um einen typischen Werdegang zu beschreiben, verwende ich hier mein Beispiel. Als Kind hatte ich puren Spaß an meinen Basteleien. Gelernt habe ich einen "anständigen" Beruf -Buchhändlerin, falls du dich gerade fragst. Schon während meiner Ausbildung habe ich für die Zeitschrift Nicole gestrickt, das war ein toller Nebenverdienst.

 

In meinem Beruf habe ich immer 150 % geleistet, deshalb blieb weniger Zeit für meine Kreativität. Aber ich hatte ständig ein Hobby, bei dem ich mehr produzierte, als ich selber brauchte. Was lag näher, als das auf Märkten anzubieten. Und da ich nun mal Ahnung von dem ganzen Marketing-Gedöns habe, war ich immer sehr erfolgreich. Nur meinen Job hinwerfen - das wollte ich nie!

 

Deshalb blieb es Nebenverdienst - und trotzdem habe ich Preise aufgerufen, die dem Werkstück gerecht wurden. Warum?

 

Nehmen wir an, du hast etwas mit Liebe hergestellt. Ein Einzelstück. Verkaufst du es unter Wert - vielleicht nur zum Materialpreis - wie kannst du dann sicher sein, dass der Käufer es beim nächsten Frühjahrsputz nicht entsorgt? "Was habe ich da denn gekauft - ach so'n billiges Teil." "Das kann jetzt auch mal aussortiert werden." Und dann ergeht es deinem Kunstwerk wie einem billigen Teil aus dem Baumarkt, oder dem Deko-Teil aus dem Sonder-Prospekt von Ikea? Ist das nicht eine schreckliche Vorstellung???

 

Ich will, dass meine Sachen bleiben! Deshalb möchte ich sie nur an die Menschen verkaufen, die mein Lieblingsstück zu ihrem machen! Bei mir kostete ein Künstlerbär € 15o und nicht wie am Nebentisch € 65.

 

Um dein Publikum an den Ausstellungsstand zu ziehen, solltest du zusätzlich günstigere Preissegmente bedienen. Deshalb habe ich immer Dinge dabei gehabt, die Käufer anlocken. Ich muss schließlich nicht jeden Gegenstand lieben, den ich verkaufe.

 

Kleine Verkaufspsychologie: Uns treibt es, wie die Herdentiere, immer in die Restaurants, an die Stände, an denen schon etwas los ist. Kaufen andere, ist das wie ein Qualitätssiegel. Wenn du stundenlang alleine an deinem Stand stehst - bleibst du es voraussichtlich auch bis zum Abend. Deshalb ist es wichtig, kleine verlockende Angebote dabei zu haben. Das zieht dein Publikum an und darüber kannst du wunderbar ins Gespräch kommen.

 

Die größte und wichtigste Erfolgsformel lautet:

1. dein Publikum muss dich kennenlernen,

2. dich mögen und

3. dir vertrauen.

 

Vorher ist kein Verkauf deiner Lieblingsstücke möglich. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Ein Kunde ist schockverliebt in dich, dein Werk und deinen Preis!

 

11 Dinge, die wir als Künstlerin oft falsch machen!

Leider nicht nur in der Kunst, sondern auch im Beruf. Aber konzentrieren wir uns hier einmal auf uns als Künstlerinnen.

 

  1. wir denken wir sind es nicht wert
  2. wir meinen berücksichtigen zu müssen, dass andere vielleicht nicht so viel Geld haben, um uns zu bezahlen
  3. wir glauben unsere Arbeit hat noch nicht die Qualität, um einen Marktwert zu haben
  4. unser Kopf stapelt tief: wir machen ja nur Handarbeit
  5. wir trauen uns nicht, unseren Wert kennenzulernen, indem wir uns trauen, einen hohen Preis laut auszusprechen
  6. wir glauben, erst den Markt untersuchen zu müssen, bevor wir unseren Preis festlegen
  7. wir halten den Verkaufsprozess für knallhart, schnöde und sachlich
  8. unser Mindset setzt unseren Selbstwert zu niedrig an
  9. wir glauben, andere machen die Preise kaputt, weil wir uns mit ihnen vergleichen
  10. wir halten andere dafür verantwortlich, unserem Handwerk Wertschätzung und Achtung gegenüber zeigen zu müssen, statt es uns gegenseitig entgegenzubringen
  11. wir hören auf das Publikum, welches meckert, keine Bildung in Sachen Kunst hat und halten uns mit der Rechtfertigung auf

10 neue, inspirierende Glaubenssätze für dein Kopfkino!

  1. Dein schönstes, bestes, liebstes Kunstwerk braucht nur einen einzigen Menschen, der es mit nach Hause nimmt!
  2. Deinen Wert bestimmst du selber! Fragst du nach € 100 oder nach € 300? Bist du ein VW oder ein Tesla?
  3. Die Qualität deiner Arbeit ist immer die beste, zu der du gerade in der Lage bist. Und wenn du diese Qualität ablieferst, darfst du dafür deinen Marktwert aufrufen. Du musst nicht warten, bis du überirdische Kunst machst, um in den Verkaufszirkus einzutreten.
  4. Jeder Künstler war zuerst ein Anfänger!
  5. Um hohe Preise zu bitten, ist eine Übungssache! Lass dir Zeit beim Üben! Nenne so lange deinen Preis, bis jemand kommt und ihn zahlt.
  6. Schaue nicht auf die Preise der anderen, sie sind in einem anderen Stadium ihres Könnens. Der liegt unter oder über deinem aktuellen Leistungsstand. Deine Leistung - deine Preise!
  7. Verwende die Formel Höhe Plus Breite x Faktor X. Probiere verschiedene Faktoren aus und wenn du das Gefühl hast, der Preis stimmt, schlage 10 % drauf.
  8. Keiner deiner potenziellen Kunden vergleicht deine Kunst mit dem Preis für ein Massenprodukt. Tut das jemand, ist er nicht DEIN Publikum. Lasse dich nicht auf eine Diskussion ein. Ein echter Kunde steht vielleicht am Tisch und ist genervt von der leidigen Diskussion. Du hast keine Lust oder Zeit für negative Gespräche. Lass den Nörgler in Frieden gehen.
  9. Wann hast du das letzte Mal ein textiles Kunstwerk gekauft? Ersetze textil mit dem, was du machst! Es wird sicherlich jemanden geben, den du bewunderst. Hast du schon einmal überlegt, etwas bei ihr, bei ihm zu kaufen? Wenn wir beginnen, Kunst zu kaufen, fördern wir andere Künstler und damit auch irgendwann uns selber.
  10. Ich kaufe Kunst! Weil ich diese Arbeiten wertschätze. Bei mir Zuhause hängt nichts aus dem Bauhaus, nichts von Ikea - weil ich es mir wert bin! Sei selber dein bestes Beispiel.

Ein Interview mit einer Galeristin zum Thema Preise!

Textilkunst Marianne Koerner
Marianne Körner "the beauty of red chocolate paper" € 127

Über das Thema Preise hatten wir während der 30 Tage ArtChallenge eine angeregte Diskussion. Wir haben überlegt, was unsere Werke wert sind, wenn wir sie in Karlsruhe auf der Nadelwelt verkaufen würden.

 

Das führte dazu, dass ich mich mit Susanne Höhne von der Galerie Beuteltier-Art unterhalten habe. Sie erläutert, wie sie die Preise mit ihren Künstlern festlegt, und spricht über die gängige Formel in der bildenden Kunst. Ihre wunderbare Galerie muss ich unbedingt besuchen, wenn ich das nächste Mal in Leipzig bin!

 

Sie hat einen ausführlichen Blog-Artikel zum Thema Was kostet Kunst geschrieben, den findest du hier.

 

In unserem Gespräch geht es auch um die berühmten Bauhaus-Frauen. Den Link zum erwähnten Video, findest du hier.

 

Hier geht es zu unserem Interview.

Wie gestalte ich meine Preise?

Textilkunst Marianne Koerner
Marianne Körner "0h : 33min : 21sec - crossing network lines" € 167

Den eigenen Preis zu finden ist eine Frage des persönlichen Mindsets. Die Formel anzuwenden und meinen Rat 10 % draufzulegen kennst du nun. Mir ist aber klar, dass ebenso deine eigenen Erfahrungen einfließen, die du bisher im Leben gemacht hast. Mir fällt das Thema manchmal schwer - meistens ist es leicht für mich. Es steckt aber immer Übung dahinter.

 

Welche Erfahrungen hast du bisher damit gemacht? Zum Beispiel deine berufliche Vorgeschichte. Hast du es im Job gelernt, regelmäßig um Gehaltserhöhungen zu bitten? Hast du gelernt, um dein Gehalt zu pokern?

 

Was meine ich damit? Gehst du z. B. auf den Flohmarkt, dann kennst du das feilschen um den richtigen Preis. Du versuchst, den niedrigsten Preis zu erreichen, und stapelst tief. Während der Verkäufer den Preis zunächst hoch ansetzt. Ihr habt beide im Kopf, wo ihr landen möchtet.

 

So solltest du ebenfalls in Gehaltsverhandlungen gehen. Erst dadurch lernst du deinen Wert kennen. Ist dein Ziel € 100, sage € 150. Dein Chef wird dir € 80 anbieten. Mit Glück landet ihr bei € 120! Kennst du deinen Wert ausserhalb der Kunst, fällt es dir leichter, ihn für deine Kunst zu finden.

 

In der Kunst liegt mein Faktor bei 3 in meinem Marketing Business für Verlage würde ich ihn immer bei mindestens 8 ansetzen. Du siehst, daran, dass Selbstvertrauen durch Erfahrung wächst. Wer weiß, wie ich meine Kunst in 2 - 3 Jahren einwerte.

 

Wenn du als Künstlerin selbstständig bist, hast du Kosten für Krankenversicherung, Studio, Material etc., deshalb ist es unerlässlich, einen Business-Plan aufzustellen. Wie hoch sind deine Kosten, wie viele Bilder musst du für welchen Preis verkaufen um deine Kosten zu decken und wie viele on Top um davon leben zu können?

 

Eines solltest du wissen, den richtigen Käufer für ein Werk im Wert von € 300 zu finden ist genau so aufwendig, wie einen Käufer für € 3.000 zu finden!!!

 

Es kommt immer darauf an, wo du ihn suchst. Aber das ist eine andere Blog-Geschichte!